Weinlieder

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Im tiefen Keller sitz ich hier

Melodie: Ludwig Fischer, Text: Karl Müchler, Lat. Übersetzung nach www.ingeb.org

 
1. Im tiefen* Keller sitz' ich hier
Bei einem Fs voll Reben,
Bin frohen Muts und lasse mir
Vom allerbesten geben.
Der Küfer zieht den Heber vor,
Gehorsam meinem Winke,
Reicht mir das Glas,
Ich halt's empor und trinke, trinke, trinke.

2. Mich plagt der Dämon, Durst
Genannt; doch um ihn zu verscheuchen,
Nehm' ich mein Römerglas
Zur Hand und lass mir Rheinwein reichen.
Die ganze Welt erscheint mir nun
In rosenroter Schminke,
Ich könnte niemand
Leides tun und trinke, trinke, trinke.

3. Allein mein Durst vermehrt
Sich nur bei jedem vollen Becher,
Das ist die leidige
Natur der echten Rheinweinzecher;
Doch tröst ich mich, wenn ich zuletzt
Vom Faß zu Boden sinke,
Ich habe keine Pflicht
Verletzt, ich trinke, trinke, trinke.

  1. In vini cella
Frigida ad dolium uvarum
Notarum unam
Hilarus ebibo optimarum.
Siphonem plet cuparius,
Cui nutu praeibo,
Dat poculum
Et tollo id et bibo, bibo, bibo.

2. Me vexat daemon,
Sitis est, sed ut eum depellam,
Prehendo Rhenani
Meri plenam meam cupellam.
Mundum non nisi roseum
Tum intueri quibo,
Non possum quemquam
Laedere, sed bibo, bibo, bibo.

3. Augetur sitis
Sed mea in quolibet scyphorum,
Haec est potorum
Misera natura Rhenanorum!
Sed me solabor, si solum
Ex dolio adibo:
Laesi nullum
Officium, sed bibo, bibo, bibo.

 

Im Krug zum grünen Kranze

Melodie: Johann Friedrich Reichard, Text: Wilhelm Müller (1794-1827), 

Lat. Übersetzung nach www.ingeb.org

 
Im Krug zum grünen Kranze,
Da kehrt ich durstig ein;
Da saß ein Wandrer drinnen, drinnen
Am Tisch beim kühlen Wein.

Ein Glas ward eingegossen,
Das wurde nimmer lehr!
Sein Haupt ruht auf dem Bündel, Bündel,
Als wärs ihm viel zu schwer.

Ich tät mich zu ihm setzen,
Ich sah ihm ins Gesicht,
Das schien mir gar befreundet, befreundet
Und dennoch kannt' ich's nicht.

Da sah auch mir ins Auge
Der fremde Wandersmann
Und füllte meinen Becher, Becher
Und sah mich wieder an.

Hei! wie die Becher klangen,
Wie brannte Hand in Hand,
"Es lebe die Liebste deine, deine,
Herzbruder im Vaterland!"

  1. Devertor in cauponam,
Siticulosus sum,
quo hospes est in loco, in loco,
Qui bibit vinulum.

2. Sed vacuum non facit
Viator poculum.
Caput eius in pera, in pera,
Iacet gravissimum.

3. Assido viatorem,
Os eius video,
notum mihi, ut puto, ut puto,
Sed plane ignoro.

4. Os meum et viator
Intuitur. Meum
hic bono vino implet, hic implet,
Vitreum poculum.

5. Nunc pocula personant
Clare, laetissime.
«In patria dilecta, dilecta,
Vivat, vir optime!»

    

Die Lindenwirtin 

Hospitia sub tilia

  Melodie:  Franz Wilhelm Abt (1819-1885), Text: Rudolf Baumbach (1840-1905)

Lat. Übersetzungen und weitere Strophen: www.ingeb.org

 
1. Keinen Tropfen im Becher mehr
Und der Beutel schlaff und leer,
Lechzend Herz und Zunge,
Angetan hat's mir dein Wein,
Deiner Äuglein heller Schein
|: Lindenwirtin, du junge! :|

2. Und die Wirtin lacht und spricht:
"In der Linde gibt es nicht,
Kreid' und Kerbholz leider;
Hast du keinen Heller mehr,
Gib zum Pfand dein Ränzel her,
|: Aber trinke weiter." :|

3. Tauscht der Bursch sein Ränzel ein,
Gegen einen Krug voll Wein,
Tät' zum Geh'n sich wenden.
Spricht die Wirtin: "Junges Blut,
Hast du Mantel, Stab und Hut,
|: Trink und laß dich pfänden." :|

  4. Da vertrank der Wanderknab'
Mantel, Hut und Wanderstab,
Sprach betrübt: "Ich scheide.
Fahre wohl du kühler Trank,
Lindenwirtin jung und schlank,
|: Schönste Augenweide." :|

5. Spricht zu ihm das schöne Weib:
"Hast ja noch ein Herz im Leib,
Lass' es mir zum Pfande!"
Was geschah, ich tu's euch kund:
Auf der Wirtin rotem Mund
|: Heiß ein andrer brannte! :|

6. Der dies neue Lied erdacht,
Sang's in einer Sommernacht
Lustig in die Winde.
Vor ihm stand ein volles Glas,
Neben ihm Frau Wirtin saß
|: Unter der blühenden Linde :|


Noch einige Strophen
Und der Studio der Chemie,
Saß der Wirtin vis-a-vis,
Von Geburt viel schlauer.
Er erhob sein volles Glas,
Prüft mit Lakmus: Was ist das ? -
|: Die Reaktion war sauer. :|

Auch ein junger Chemikus,
Bat Frau Wirtin um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Er hat sie zu stark jonisiert,
Sodass sie sauer reagiert,
|: Unter der blühenden Linde. :|

Auch ein Elektrotechnikus,
Bat Frau Wirtin um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Und Frau Wirtin war ihm hold,
Gab ihm einen von tausend Volt,
|: Unter der blühenden Linde. :|

Und der hohe Fuchsmajor,
Warnt die Füchse bang davor,
In Coleur zu küssen.
Wenn es aber niemand sieht,
Wenn's im Dunkels stets geschieht,
|: Kann er's nur begrüßen. :|

Auch ein Germanist errang
Sich der Wirtin Minnedank;
Doch er tät' ihr künden,
Wie in grauer Väterzeit
Liebe geendet mit Herzeleid
|: Durch ein Blatt einer Linden. :|

Auch ein junger Handelsmann,
Hielt bei der Frau Wirtin an,
Unter der blühenden Linde.
Und bei einem Kruge Wein's,
Wurden sie bald handelseins,
|: Küßten sich unter der Linde. :|

Auch so ein rußiger Hüttenmann,
Trug sich um ein Küßchen an,
Unter der blühenden Linde.
Keinem gab sie mehr 'nen Kuss -
Weil sie sich jetzt waschen muß,
|: Unter der blühenden Linde. :|

dass sie küßte der Jurist,
Gar nicht zu verwundern ist,
Denn es ist nichts Schlechtes;
Hängt ja doch das Wort: jus, jus,
Eng zusammen mit dem Kuss,
|: Denn er ist was "Rechtes". :|

Ein Student der Landwirtschaft,
Kam auf seiner Wanderschaft
Unter die blühende Linde.
Hätt' Frau Wirtin gern geküßt,
Doch er stank so sehr nach Mist,
|: dass sie entfloh geschwinde. :|

Und ein Mathematikus,
Bat Frau Wirtin um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Aus dem einen wurden zwei,
Aus den zweien 'ne unendliche Reih',
|: Unter der blühenden Linde :|

Und der Mediziner spricht:
"Euch, Frau Wirtin, küss' ich nicht,
Wegen der Bazillen.
Doch ihr habt ein Töchterlein,
Weil das ist so nett, so fein,
Na, um Gottes Willen,
Riskier' ich die Bazillen."

  Kam ein andrer Medikus,
Bat Frau Wirtin um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Sprach Frau Wirtin: "Fahre wohl,
Denn du stinkst ja nach Karbol
|: Unter der blühenden Linde. :|

Und vom vielen Küssen wund
War der Wirtin roter Mund,
Horae vespertinae.
Kam ein Pharmazeut daher
Und besah sich das Malheur:
|: Recipe vaselinae! :|

Von der klass'schen Philologei,
War ja auch ein Sohn dabei,
Unter der blühenden Linde.
Lehrte einst doch schon Catull,
Horaz, Ovid und auch Tibull:
|: Küssen ist keine Sünde! :|

Und der Philosoph, nicht dumm,
Bat sie um ein osculum,
Wenn auch nur ein kleines;
Doch Frau Wirtin lacht und spricht:
"Auf lateinisch küßt man nicht!"
|: Und sie gab ihm keines. :|

Horch', da kommt ein Physikus,
Raubt der Wirtin Kuss auf Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Und sie spricht: "Er ist ein Mann,
Der recht thermisch küssen kann,
|: Unter der blühenden Linde!" :|

Hört ihr nun den Technikus,
Seine Meinung über'n Kuss:
Küssen gehöret zur Technik.
Denn zwei Pole zieh'n sich an,
Wenn auch nur auf momentan,
|: Unter der blühenden Linde :|

Kam ein fescher Technikus,
Bat Frau Wirtin um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Doch vor lauter r2pi
Kam er doch zum Küssen nie,
|: Unter der blühenden Linde. :|

Auch ein Herr Theologus,
Bat sie schüchtern um einen Kuss,
Unter der blühenden Linde.
Und Frau Wirtin tat es gern,
Gab ihm einen im Namen des Herrn
|: Unter der blühenden Linde :|

Wißt ihr, wer der Knabe war,
Blau von Aug' und blond von Haar?
's war ein Theologe,
Der der Theologei zum Hohn
Aus dem Kasten war entfloh'n
|: Unter die blühende Linde :|

Kam ein Veterinär dazu,
Führt am Halfter eine kranke Kuh,
Unter die blühende Linde,
Kaum tat er die Wirtin seh'n,
Ließ er gleich das Rindvieh steh'n,
|: Unter der blühenden Linde. :|

Und der Zahnarzt gar nicht faul,
Greift Frau Wirtin in das Maul,
Unter der blühenden Linde.
Denkt, sie braucht ja ganz gewiß
Nach dem Kuss ein neu' Gebiß
|: Unter der blühenden Linde. :|

Als der Lindenwirt es sah,
Was mit seiner Frau geschah,
Hielt er es für Sünde.
Und er nahm den Wanderstab,
Prügelte den Wanderknab',
|: Unter der blühenden Linde. :| 

 

 

Hospitia sub tilia
1. Nulla gutta in poculo,
Nullus as in marsupio,
Languent cor et ora.
Vinum tenet lucidum
Me et nitor luminum,
Hera o decora!

2. "Notare creta non est mos,
Deficiente ea nos",
Hospita ridere.
"Si habes assem nullum iam -
Pigneri pone perulam,
Perge sed sorbere!"

3. Commutata perula
Cum spumante situla,
Ille vult meare.
Dicit hera: "Bibedum!
Laenam, baclum, pileum
Debes pignerare!"

4. Puer bibens perdit tum
Laenam, baclum, pileum,
Maestus dixit: "Cedo,
Vale, potio frigida
Et procera hospita,
Luminum dulcedo!"

5. Dixit pulchra femina:
"Si habebis pectora,
Mihi pignerato!"
Quid sit factum, narro nunc,
Ardens os in ore tunc,
Arsit inflammato.

6. Cantum qui hunc cecinit,
Nocte leni tetigit
Auras laeta mente.
Pocula sunt posita,
Iuxta sedit hospita
Tilia sub florente.

  Scyphus sine guttula,
Saccus sine pecunia,
Sitis est fatalis.
Mero tuo nil suavius
Et ocellis nil clarius,
Hospitia virginalis.

"Non refertur in tabulam,
Qoud non habeo cretulam,"
Copa cachinnatur.
"Si crumena est vacu,
Mi pro pignore peram da!
Porro tum bibatur!"

Peram iuvenis porrigit,
Urnam vini accipit,
Ire vult rebus paratis.
Copa tum: "Est pallium,
Pilleus ac baculum;
Bibe pignoribus datis!"

Bibens ille perdidit,
Quidquid antea habuit;
Tristis tum: "Discedo.
Vale, potio frigida
Et procera hospita!
Te suavissimam credo."

Dicit pulchra propere:
"Pulsat cor in pectore,
Quod sit meum ipsius!"
Factum vobis defero:
Copae in ore rutilo
Arsit os alterius.

Carmen qui composuit,
Nocte aestiva cecinit
Vento obstrepente.
Ante eum pocula,
Iuxta pulchra hospita
Tilia sub florente.

 

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-Letzte Aktualisierung: Freitag, 04. Februar 2011 16:41 © Reinhold Meurer - IMPRESSUM -

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