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Gottesdienst
Ja oder Nein - Was bedeutet Gottesdienst für mich?Die leeren
Kirchen stimmen nachdenklich. Viele Priester und Laien machen sich Gedanken
darüber und sind besorgt. Es ist nicht mehr ‚in‘, zum Gottesdienst zu
gehen ‑ behaupten die einen; ab und zu bei besonderen Anlässen tut es
schon mal gut dabei zu sein, sagen die anderen. Manche nehmen aus Gewohnheit
daran teil, andere um ihre ‚Pflicht‘, zu tun. Für manche ist es ein Bedürfnis,
das sie nicht vermissen möchten, wieder andere fühlen sich Gott überall
sonst näher als in der Kirche während eines Gottesdienstes. Wie sieht
es in unserer Gemeinde in Retzstadt damit aus? Um uns davon ein Bild machen zu
können, sagt uns doch bitte Eure Meinung dazu. Deshalb unser Aufruf an Euch
liebe Kinder und Jugendliche, liebe Erwachsene und Senioren: teilt uns doch
bitte mit, warum Ihr zum Gottesdienst geht oder nicht, oder warum nur ab und
zu. Es sollte
nicht mehr als eine DIN A 5 Seite sein. Werft Eure Mitteilung in den
Briefkasten am Pfarrhaus. Selbstverständlich werden die Informationen
vertraulich behandelt und die Namen der Verfasser nicht veröffentlicht. Eine
rege Beteiligung würde uns sehr freuen! Lesen Sie nun im Anschluß einige Stellungnahmen:
Sonntagsgottesdienst -
meine persönliche Meinung
Auch wenn
ich kein regelmäßiger Kirchgänger bin, weiß ich den Sonntagsgottesdienst
zu schätzen. Wenn ich daran teilnehme, dann aus freien Stücken ‑ nicht
weil ich muss, weil "man" halt sonntags in die Kirche geht. Und ich
denke, dass sich auch für nicht ganz so linientreue und kritische Christen
ein Platz dort findet. Als
wohltuend empfinde ich im ,Gottesdienst den Abstand zum Alltag, die Ruhe die
Zeit für Besinnung. Ich habe Zeit, über mich, über meine Beziehung zu Gott
und den Menschen nachzudenken. Die besprochenen Worte haben Bedeutung, sie
prasseln nicht auf mich herein. Man kann die Gedanken zu Ende führen, die
Botschaft aufnehmen. Besonders in den Gottesdiensten, die von den Familien‑
und Jugendgottesdienst-Teams und vom Eine-Welt-Kreis gestaltet werden, spüre
ich, dass es eine frohe und weltzugewandte Botschaft ist. *********************************
Auch Mädchen
und Jungen wurden zu diesem Thema befragt. Auf die Frage: "Gehst du gerne
in die Kirche und was gefällt dir daran?" antworteten die 7 bis 1 0-Jährigen: -
Mir gefallen die Gottesdienste zu
besonderen Anlässen, z.B. an Ostern, Weihnachten und Erntedank -
ich gehe gerne hin, weil ich die
Hostie empfangen darf -
mir gefällt es, wenn das Fa-Go oder
das Ju-Go-Team den Gottesdienst gestaltet -
die Kirche ist ein schönes Haus und
schön geschmückt ist sie auch -
mir gefällt das Orgelspiel, besonders
gut gefallen mir die Lieder; Sing mit mir eine Halleluja und Laudato sii Auf die
Frage: "Warum gehst du nicht gerne in die Kirche?" kamen die
Antworten: -
weil ich da so lange stehen und
knien muss -
weil ich die Predigt nicht verstehe -
ich verstehe den Text der Lieder
nicht ****************************** Hier nun
zwei weitere Stimmen von Jugendlichen aus unserer Gemeinde:
Von Zeit
zu Zeit ist es mir sehr wichtig einen Gottesdienst zu besuchen. Ein
Gottesdienst gibt mir Zeit über mich und meinen Glauben nachzudenken. Ich
erhalte Gedankenanstöße durch die Predigt und die einzelnen Texte. Einmal
stehen bleiben, nachdenken über den Weg den ich bisher gegangen bin, überlegen
wie es weiter gehen soll. All dies ist in einem Gottesdienst möglich. Die
Texte und einzelnen Beiträge geben neue Ratschläge und lassen viele
Erlebnisse des täglichen Lebens in einem anderen Licht erscheinen. Dies ist
in meinen Augen von großer Bedeutung. Wenn wir hetzen, arbeiten und
Freizeit konsumieren, dann kann ein Gottesdienst unserem Leben Ruhe und
Ausgeglichenheit geben. Ob im Gottesdienst, bei einem Spaziergang in der
Natur oder im Schaukelstuhl zu Hause, das Gespräch mit Gott möchte ich nicht
vermissen.
Für mich ist
der Gottesdienst eine Gelegenheit, die „Alltagsmühle“ einmal anzuhalten
und in Ruhe über das eigene Leben nachzudenken. Ich denke über meine Sorgen
und Ängste nach, und oft hilft mir das im Gottesdienst gehörte die Dinge mal
aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Manchmal merke ich dann erst, wie
engstirnig ich mich in eine bestimmte Richtung oder in ein Problem verrannt
habe. Vor allem aber wird mir in den Gottesdiensten immer wieder klar, daß es
um eine FROHE Botschaft geht und Gott möchte, daß wir alle glücklich sind.
Deshalb wurde ich auch Lektor, um klar zu machen, daß man um Gottes Botschaft
zu verstehen, kein hochgeistiger Superchrist sein muß, sondern daß sie für
jeden ganz normalen Menschen (Fehler inklusive) gemacht ist. Deshalb soll
Gottesdienst meiner Meinung nach auch keine „One-Man-Show“ sein. Ich finde
in Retzstadt ist dies durch die vielen Gottesdienstteams und -helfer schon gut
gelungen. Auch wenn die Anzahl der Gottesdienstteilnehmer insgesamt wohl eher
abnimmt. Ich glaube, das liegt daran, daß die Generationen, die den Gang in
die Kirche als ihre selbstverständliche Pflicht angesehen haben, rückläufig
sind. Die junge Generation muß sich erst bewußt für den Glauben und die
Kirche entscheiden. Deshalb hoffe ich, daß viele Jugendliche der Kirche öfter
mal eine Chance geben. Ich kann Euch versichern, es lohnt sich wirklich. *************************** Diesmal
teilen uns zwei Erwachsene ihre Meinung zum Gottesdienstbesuch mit:
Als Kind
und auch noch als Jugendlicher wurde ich in die Kirche geschickt. Ging man
nicht oder wollte nicht gehen, so hatte dies Strafen zur Folge, sei es von
Seiten der Eltern oder vom Pfarrer. Gottesdienst war deswegen eine mehr oder
weniger lästige Angelegenheit. Viele ältere Mitbürger werden dies bestätigen.
Ist man erwachsen, kann man es selbst bestimmen. Der Kirchgang gehört eben
zum Sonntag, sagen viele. Aber er sollte nicht zu einer Floskel werden.
Kirche ist für mich ein Stück Heimat, ein Zuhause, wo ich sein darf wie ich
bin, weil ich mich angenommen fühle mit meinen Fehlern, meiner Unzulänglichkeit,
meiner Angst. Gottesdienst bedeutet für mich loslassen von den Problemen
und Sorgen des Alltags. Im Wortgottesdienst Rat und Hilfe zu bekommen, auch
wenn die Konzentration manchmal nachlässt. Die Bereitschaft den Anderen so
annehmen zu können wie er ist, mit allen Ecken und Kanten, ohne wenn und
aber. Keine Bedingungen zu stellen für ein besseres Miteinander, sondern
durch einen freundlichen Gruß, ein nettes Lächeln, oder ein Friedenszeichen
eine Brücke zu bauen.
Auch nach drei Kindern, die alle
zur hl. Kommunion gegangen sind, ist es mir eigentlich kein Bedürfnis in den
Gottesdienst zu gehen. Ausnahmen sind da eigentlich nur besondere Anlässe.
Die angenehmen Ausnahmen sind da natürlich Hochzeiten und Taufen. Aber auch
zu den Andachten vor einer Beerdigung gehe ich, weil ich da über den Tod des
Verstorbenen und vor allem über dessen Leben besser nachdenken kann. Meine
eigene Situation wird mir da meist erst richtig bewußt und ich gehe irgendwie
gestählter wieder nach Hause. Ein normaler Gottesdienst bringt mich nicht in
diesen Zustand, etwas besser oder anders machen zu wollen. Eigentlich sollte
das der Fall sein, denke ich. Man soll ja immer noch fürs Leben weiter lernen
und offen sein. Wahrscheinlich hat das „nicht gerne in den Gottesdienst
gehen“ mit meiner Kindheit zu tun. Mein Vater ist früh verstorben und meine
Mutter war nicht religiös, deswegen bin ich nicht in die Kirche getrieben
worden und habe auch nicht so eine enge Bindung mit der Kirche. Beten tue ich
dafür aber jeden Tag und denke viel über das Leben und auch den Tod nach.
Ich denke es ist wichtiger als Christ zu leben und ich muß das nicht jeden
Sonntag beim Gottesdienst nach außen tragen, angeblich ein Christ zu sein. **************************************
Es ist gar nicht so einfach, eine Antwort auf diese Frage zu formulieren und meine Bewegungsgründe aufzuschreiben, was mir Kirche bedeutet. Ich will es dennoch versuchen: Ich habe
mein Leben nicht aus mir selbst. Es ist mir von Gott geschenkt. Von ihm weiß
ich mich getragen und geführt. Aus der Verbindung mit diesem Gott leben,
das versuche ich. Im Johannesevangelium sagt Jesus: „Bleibt in mir und
lasst mich in euch wirken. Wer in mir lebt und in wem ich wirke, der bringt
reiche Frucht. Ohne mich aber könnt ihr nichts vollbringen“. Für diese
Verbindung braucht es eine persönliche Beziehung im Gebet und in der
Meditation. Um meinen Glauben leben zu können, brauche ich aber auch die
Gemeinschaft der Glaubenden. Es ist für mich wichtig, zu spüren, dass ich
nicht allein auf diesem Weg bin, sondern dass es Gleichgesinnte gibt, die
mit mir gehen und suchen. Als Kind war es für mich eine Selbstverständlichkeit,
täglich zur Messe zu gehen. Später im Jugendalter bekam ich durch die
Landjugend einen ganz neuen Zugang zum Glauben und zum Gottesdienst und ich
spüre heute dankbar, dass meine Wurzeln aus der Kindheit und im Elternhaus
in dieser Zeit wesentlich gefestigt wurden. Ich hatte damals schon Freude
daran, Gottesdienste mitzugestalten und das intensive Auseinandersetzen mit
Menschen und Texten hat mir mehr und mehr geholfen, zu verstehen, was Gott
in meinem Leben wirken will. Als ich
dann nach Retzstadt kam, war es für mich eine große Hilfe, in der Pfarrei
aktiv zu sein. Das machte es mir leichter, heimisch zu werden, und ich bekam
so das Gefühl, dazuzugehören. Die Seminare der Eucharistiner-Patres und
die Veranstaltungen im Jugendhaus in Münnerstadt haben mich noch offener
werden lassen und meine Erfahrungen vertieft. So empfinde ich heute in der Kirche ein Gefühl der Geborgenheit, die Gottesdienste geben mir Kraft, Halt und Zuversicht. Die Texte der Heiligen Messe und die Gedanken und Impulse unserer Priester dazu sind mir wichtige Orientierungshilfen. Ich kann neue Impulse empfangen, die mich anregen und die mir weiterhelfen bei vielen Fragen, die mir noch offen sind. Manchmal geht mir bei schon oft gehörten Texten plötzlich ein ganz neuer Sinn auf und ich verstehe die Worte Jesu auf eine ganz neue Art und Weise. So geben mir die Gottesdienste Kraft und Mut auf meinem Weg und für die neue Woche. Die Regelmäßigkeit dieser Tankstelle hilft mir, nicht zu weit abzutreiben von mir selbst und meinem eigentlichen Leben. In der
Gemeinschaft und der Verbundenheit mit Menschen, die wie ich auf dem Weg und
auf der Suche sind, mich von Gott anrühren und wandeln zu lassen zu einem
immer reicheren Leben, darin sehe ich vor allem den Sinn des Gottesdienstes. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass Kirche lebendig bleibt. Das bedeutet, dass alle sich einbringen und mitgestalten können, damit auch alle sich in diesem Geschehen wiederfinden und das Gefühl haben können: Das betrifft mich, da bin ich gemeint, das hat etwas mit mir und meinem Leben zu tun. Wenn
Kirche lebendig bleiben soll, kann auch nicht alles so bleiben, wie es immer
schon war. Kirche ist, wie alles Leben, nie etwas Fertiges. Nichts, was
wirklich lebt, bleibt, wie es war oder ist. Wenn Kirche wirklich etwas mit
dem Leben zu tun hat, muss sie offen sein für neue Erfahrungen und
Begegnungen. Aber eines dürfen wir dabei nie vergessen: Die Kirche ‑
das sind wir (alle)!
Gastsein Gott, ich war Gast in deinem Haus. Ich bin zu dir gekommen und du hast mich aufgenommen, du hast mich angenommen, du hast mich reich beschenkt. Nun bringe ich dir alle, die zu mir kommen, die auf mich warten, die mich brauchen. Gott, du bist der Gastgeber und das Haus. Du lädst alle ein, mich und die, die mir begegnen. Gib mir die Kraft, sie alle einzulassen, damit alle, die mich suchen, DICH finden.
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"Gottesdienst -Ja oder Nein?" - Eine weitere Stimme aus der Gemeinde Früher war die Kirche Dreh- und Angelpunkt in der Gemeinde. Das ganze Leben spielte sich in der Gemeinde bzw. Kirchengemeinde ab. Als Kind in den 50er und 60er Jahren traf man sich ganz selbstverständlich zum Gottesdienst. Mangels Telefon musste man sich treffen, um miteinander zu reden. Sonntags war es für mich ganz normal, erst zum Gottesdienst, am Nachmittag dann zur Andacht zu gehen. Danach war Zeit zum Reden, spazieren gehen etc. Neben Eltern, Schule und Freunden war die Kirche das Wichtigste in meiner Kindheit. Als ich dann älter wurde, hat sich das geändert. Zum einen gab es nach und nach viele Angebote für die Freizeit außerhalb des Ortes, zum anderen machte ich einige sehr negative Erfahrungen mit der Kirche. Ich erkannte auch, dass Religion, wie sie uns gelehrt wurde, Gott hauptsächlich als streng und strafend beschrieb. Ich wurde sehr kritisch, konnte nicht mehr viel mit den Liedern und liturgischen Texten anfangen. Meine Gottesdienstbesuche wurden - auch aus familiären Gründen - immer spärlicher. Die ganze Zeit über war ich auf der Suche nach einem neuen Verständnis für Gott und Kirche, las einiges und legte mir ein eigenes Bild zurecht, das mir aber mit der Zeit nicht mehr genügte. Ich wollte mehr verstehen. Nach und nach ergab sich einiges, was mir weiterhalf, u. a. treffe ich mich mit Menschen, die auch über Gott und Kirche nachdenken, sich austauschen möchten, die Christsein nicht nur im Kirchengebäude praktizieren. Vielleicht habe ich jetzt einen Weg gefunden. Ich gehe auch heute nur unregelmäßig zum Gottesdienst, aber jetzt mit anderer Erwartung und Einstellung und immer bemüht um Gespräche, um nicht vor lauter Alltagsproblemen die Stimme Gottes zu überhören. *************************************************
Ich verstehe hier den Begriff
Kirche in der Bedeutung als Gottesdienst. Da ich einen eher ruhigen und nach
innen gekehrten Charakter habe, bietet der Gottesdienst für mich deshalb
eine gute Gelegenheit in unserer hektischen und schnelllebigen Zeit zur
Ruhe zu kommen. Im Gegensatz zum Berufsalltag, wird in der Kirche mein Herz
und meine Seele angesprochen. Ich finde einen Ausgleich zu meinem stark
vernunftbetonten Denken und Handeln. Nach der Kirche fühle ich mich wohl,
da das Gottesdienstritual entspannend wirkt. Das Gespräch mit Bekannten
nach der Kirche stärkt mein Zugehörigkeitsgefühl zur Dorfgemeinschaft. Warum gehe ich dann so selten
in die Kirche? Der Sonntag ist für mich oft
der einzige Tag, an dem ich es ruhig und ohne Zeitdruck angehen lassen
kann. Ich freue mich darauf und gehe deshalb nur gelegentlich in die
Sonntagsmesse. Da der Kirchenbesuch für mich keine Regelmäßigkeit
hat, muss ich jedes Mal neu entscheiden, ob ich in die Kirche gehen will.
Und meine Trägheit findet dann meistens genug Gründe sich für ein
Daheimbleiben zu entscheiden. Deshalb gilt für mich: Kirche
‑ Ja und
Nein.
Nach den verschiedensten Stimmen aus der Gemeinde zum Gottesdienst sollten wir zwischendurch mal Gott zu Wort kommen lassen. Christa Peikert-Flaspöhler versucht, sich in ihn hineinzudenken und läßt ihn zu uns sprechen:Ihr
sollt nicht kommen, dem
Trott der Gewohnheit folgend, dem
Druck des Gebotes gebeugt ohne
Wunsch, ohne Willen, ohne Freiheit, ohne Freude. Mit
der Liebe, die nichts für sich behält, lade
ich euch ein. Als
Bruder, als Freund, als
der, dem ihr alles bringen dürft, was
euch freut, was euch quält, was
euch ängstigt, was euch zornig macht, warte
ich auf euch. Als
der, der eure Hingabe braucht und euren Einsatz, der
euer Ja zum Bruder, zur Schwester will, rufe
ich euch her. Damit
ihr gesättigt sättigen könnt, damit
ihr getröstet Trost verschenkt, damit
ihr geliebt zu Liebenden werdet. Versuchen
wir mal den Sonntagsgottesdienst unter diesem Gesichtspunkt zu sehen, als
Angebot und Einladung eines guten und liebenden Freundes. Dazu ermuntert Pater Siegfried
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-Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 14. März 2007 18:48 - © Reinhold Meurer - IMPRESSUM - |