Reinhold Meurer

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Der Retzstadter Stundenschlag       

      

Wanderer, hörst du den Glockenschlag,
sieh dich um, woher er wohl tönen mag.
Kein Kirchturm zu finden, keine Uhrzeit zu sehn,
nur zu hören: Die Glocke, die schlug eben "zehn".
 
Oder war es schon "elf"? - Du verpasstest den Ton,
den ersten, zu hören und zu zählen schon?
Das Gezwitscher der Vögel, die Schönheit der Natur,
sie lenkten dich ab in der Retzstadter Flur.
 
Und während du zweifelst, was die richtige Zeit
wohl sei, da erklingt der Glocke Geläut,
und du zählst sorgsam, fast andächtig schon,
zehnmal der tiefen Glocke Ton.
 
Warum klingt des Stundenschlages Schall
ein zweites Mal über Berg und Tal?
Über Retzstadts Weinberge, Felder und Wald
mit dem Glockenton die Antwort erschallt:
 
"Wir schlagen zweimal euch die Stunden,
bis ihr die richtige Zeit gefunden,
erinnern euch an Menschenzeit
und auch an Gottes Ewigkeit."
 

In Retzstadt gibt es einen doppelten Stundenschlag der Kirchturmuhr, damit auf die Bauern auf den weit entlegenen Feldern die Uhrzeit durch ein zweites Mitzählen zuverlässig bestimmen konnten.

 

 

Zum Nachdenken

Folgender Text - vermutlich aus dem Internet, Autor unbekannt, veröffentlicht im Stern 1/2004, soll zum Nachdenken, Zustimmen und Widersprechen anregen:

Für alle vor 1978 Geborenen 
(Wenn du nicht zu dieser überalterten Gruppe gehörst, darfst du es trotzdem lesen, auch wenn du die ersten Worte dann überlesen solltest.)

Wenn du nach 1978  geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun...
Verschwinde...  Kinder von heute werden in Watte gepackt...

Wenn du als  Kind in den 50er, 60er oder 70 Jahren lebtest, ist es zurückblickend  kaum zu glauben, daß du so lange überlebt hast.

Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte, einfach so auf den Sitzen, ohne Kindersitze oder Sitzschalen und natürlich in Fahrzeugen ohne Airbags.

Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium.

Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne  Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit  Bleichmittel.

Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung  für unsere Fingerchen.

Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus  Flaschen.

Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten  während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.

Wir verließen morgens das Haus zum Spielen, blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei.

Wir haben uns geschnitten,  brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren  eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach  "Aufsichtspflicht" . Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Wir  kämpften und schlugen einander manchmal bunt und blau. Damit mussten wir  leben, denn es interessierte den Erwachsenen nicht.

Wir  aßen Kekse, Brot mit Butter dick, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick.

Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.

Wir  hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf Video, Surround Sound, eigene Fernseher, Computer, Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten  Freunde. 

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der  Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.  Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner  brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur  möglich?

Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen.
Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen  nicht ein: Die Würmer
lebten nicht in unseren Mägen für immer  weiter und mit den Stöcken stachen wir nicht besonders viele Augen aus.

Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut  war. Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. 

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere oder sie hatten einfach einen schlechten Tag. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal  Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei. So etwas.

Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen.

Und du gehörst auch dazu? 

Herzlichen Glückwunsch.

 

Kommentar des Webmasters, der auch zu den "Alten" gehört:

 

Natürlich war damals nicht alles so, manches war dramatischer, manche Erinnerung übertreibt heute.

Natürlich sind - das sollte man bedenken - die Kinder dieser Generation die Eltern der "Wattebausch-Kinder" und die Verantwortlichen für negative Entwicklungen in der Gesellschaft, besonders was Medien und Erziehung betrifft!

Aber: Dieser Artikel zeigt etwas auf, was unseren Kindern und Jugendlichen verloren gegangen ist: Der Respekt vor der Gefahr, die Warnung "im Hinterkopf", das Erkennen der eigenen Verantwortung. Wir besaßen und besitzen (?) diesen "7. Sinn", und uns befähigte das zu Selbstständigkeit und Mündigkeit.

 

Das Leben ist kein Computerspiel: 

Wir haben nicht 3 oder 5 Leben, 

"Game over" 

gibt es in der Wirklichkeit nur einmal!

 

 

-Letzte Aktualisierung: Freitag, 04. Februar 2011 16:41 © Reinhold Meurer - IMPRESSUM -

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