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Planetarium und danach

 

Ruhig wandern die Augen
Unterwegs auf der Milchstraße
Im Projektor leuchtet
Mein Staubkornbewußtsein. Wie groß
Meine Winzigkeit sein darf. Wie sanft
Löst sich Unendlichkeitsangst vom Körper
Der Mensch: eine wunderbare Möglichkeit
Organischer Tropfen im All
Einen astronomischen Wimpernschlag lang
Fühle ich mich zuhause
Auf der blauleuchtenden Erde

 

Die Bahn von Planeten und Sternen
Verlassen. Hamburg. Mitten
In Stein, Blech und DIN geformter Materie
Schrumpft der Körper im Stück-Denken
Behält das Auge die gewonnene Größe
Erlangt schmerzhafte Umsicht. Ein Ausschnitt
Welt voll unnachgiebiger Wiederholungen
Sterblichkeit ist ein alltäglicher Vorgang
Belanglos, sage ich, lache
Unverzeihlich in erzwungener Überlegenheit

 

Zwischen Oberlippenflaum und Greisenstoppeln
Finden sich Gesprächsfetzen in beliebiger Bewegung
Friede unter uns, verkleideter Schrittmacher
Mode, höher als alle Vernunft, Lächelautomat
Alles vorgefertigt, alles nachgemacht
Vorbei fluten Menschen unmerklich verwundet, doch
Lebenslang, sage ich, im Angesicht der Erdbewohner
Die ihr Heute in der Mütze sammeln, die
Ihren Pranger selbst beschriften
Lebenslang, sage ich, Lichtjahre weit, endgültig
 

 

Aufgeklärt und für dumm verkauft
Unsere Nacktheit sehe ich nicht, zurück
An den Absender ging der Apfel, soll die Schlange
Selig werden mit der Erkenntnis
Ich sehe einen drehbaren Globus und denke
Nichts mehr, wenn sein Licht ausgeht


Auf der Rückfahrt leuchten Sternbilder
Nur aus Bremslichtern, sicherheitshalber
Ein flüchtiger Blick zum Himmel und wieder Fragen

Heinz Kattner

 

 

-Letzte Aktualisierung: Freitag, 04. Februar 2011 16:41 © Reinhold Meurer - IMPRESSUM -

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