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Der Kleine Dorfrundgang (2001)
2 km, Start: am Rathaus
Retzstadt hat vieles zu bieten: Kirche, Kloster, Ka-
pelle, Rathaus, Brunnen, Fachwerkbauten...Aber
auch die heutige Zeit kommt nicht zu kurz: Infor-
mationen über Gemeinde, Feuerwehr, Schule oder
Vereine sind hier zu erhalten. - Tip: Besuchen Sie
die Sammlung Paul May (landw. Geräte und
Werkzeuge). Voranmeldung (09364/1724) erbeten! |
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Hinweis für
Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Kinderwagenfahrer
gut geeignet, nach Kreuzkapelle (25) starker
Anstieg, besser die Haupstr. bis zur Goldbrunnenstr., dann links in die
Goldbrunnenstr. (weiter ab 29). Nach 54 NICHT in die
Kirchgasse abbiegen (Anstieg bis zur Kirche möglich, dann nur Treppe
abwärts!, sondern auf der Hauptstr. zum Rathausplatz zurück |
Geleitwort
Retzstadt hat sein Gesicht im zurückliegenden Jahrzehnt erheblich verändert.
Durch intensive Recherchen wurden die Spuren der Vergangenheit herausgearbeitet,
das Unverwechselbare hervorgeholt und die Zukunft beherzt angepackt.
Unterstützt durch das Bayerische Dorferneuerungsprogramm, konnte eine Vielzahl
von Straßen und Plätzen neu gestaltet werden. Retzstadts Bürger haben die
Chancen dieses Erneuerungsprogramms genutzt und ihre Anwesen mit großem
Engagement modernisiert und restauriert. Heute stellt sich Retzstadt dem
Besucher als ein charmanter Weinort vor - voller baulicher Kleinode, eingebunden
in ein bemerkenswertes historisches Erbe.
Der von Ihnen liegende "Dorfrundgang" führt den Besucher wie an einer
Perlenkette von Highlight zu Highlight entlang vieler baulicher Kostbarkeiten.
Die beim "Dorfrundgang" vorgestellten Objekte weisen dabei auf das
ganz Besondere hin und lassen den Wandel einer ehemals von Landwirtschaft und
Weinbau dominierten fränkischen Siedlung gut erkennen. Der
"Dorfrundgang" vollendet damit das ineinandergreifende Konzept der
Retzstadter Wege, den Besinnungsweg, den Planetenweg, den Weg der Lieder sowie
den Weinwanderweg und führt die interessierten Besucher bewusst aus der
reizvollen Umgebung auf die Lebensmitte der Retzstadter Bürger, das Dorf,
zurück.
Ich wünsche dem "Dorfrundgang" viele interessierte Besucher und den
Bürgern damit zugleich als Dank für ihr großes Engagement in der
Dorferneuerung die ihnen zu Recht gebührende Anerkennung.
Würzburg, Februar 2003

Rolf
Richter
Präsident
der Direktion für Ländliche Entwicklung Würzburg
Einleitung
„Der kleine Dorfrundgang“
soll allen Gästen und allen Retzstadtern in einem kleinen Spaziergang
von einer guten Stunde die Schönheiten und Besonderheiten unseres Dorfes vor
Augen führen. Manch Neues gibt es zu erfahren, manche Information mag auch
bekannt sein: Menschen, Vereine, Bauten und Natur, Geschichte und Geschichten
sind hier – aus Gründen der Kürze meist stichwortartig – dargestellt:
Retzstadt zur Jahrtausendwende, in einer kleine Broschüre zusammengefasst, ein
Begleiter auf dem „kleinen Gang rund ums Dorf“.
Retzstadt, im Winter 2003
Reinhold Meurer
Der
kleine Dorfrundgang

Startpunkt des “Kleinen Dorfrundgangs” ist der in der Dorferneuerung
neu gestaltete
Rathausplatz:
1. Fachwerkhaus “von Hoeren”, Traufseithaus mit einem mittelalterlichen
Gewölbekeller, ehemals freistehend, massive meterstarke Außenmauern,
Grundstein mit der Jahreszahl 1556, Fachwerk im Obergeschoss zeigt
mittelalterliche OrnamenteGeschichte: vermutlich ursprünglich ein
Verwaltungsgebäude (Zehntabgabestelle?), im 19. Jhdt. bis in die 60er Jahrer
des 20. Jhdts. genutzt als Poststelle, Metzgerei und Gasthaus “Zum Löwen”,
heute im Besitz des Grafikers und Malers Lothar von Hoeren, der für die
Sanierung des Anwesens 1999 die Bayerische Staatsmedaille für besondere
Verdienste um die Denkmalpflege erhielt.
2. Pfarrhaus (Rathausplatz 2): Krüppelwalmdach, 18./19. Jhdt., Pfarrbüro,
Wohnung der Eucharistiner-Patres
3. Rathaus: “gestelztes” Haus (= hoher Keller), vermutlich Erdgeschoss aus
dem 18. Jhdt., oberer Stock 20. Jhdt. (große Fenster!), renoviert 1992, links
davon das Haus “Sinder”, heute zum Rathaus gehörig, typische
Keller-Rundbogen, Krüppelwalmdach, “Kleinwinzerhaus”, bei dem Wohnen und
Wirtschaften unter einem Dach stattfand
4. Haus Züchner (Rathausplatz 6): Fachwerkgiebel 17. Jhdt.
5. Eucharistinerkloster (Rathausplatz 11): 1992 erbaut unter Verwendung eines Fachwerkgiebels aus dem 18. Jahrhundert, ebenfalls
Kellerbögen: ein schönes “Ensemble” mit Rathaus, Kirchentreppe und Kirche!
Eucharistiner: Ordensgemeinschaft, vom heiligen Peter Julian Eymard 1856
gegründet, Eucharistie “Mitte und Ziel” des christlichen Lebens, seit 1986
in Retzstadt, zur Zeit 4 Patres
Unterdorfstraße
6. Ehemaliger Bachlauf: Weth / Retz floss hier, daher die doppelte terrassierte
Straßenführung, heute unterirdisch kanalisiert, kommt erst wieder am Festplatz
ans Tageslicht
7. Haus “Semmler” (Unterdorfstr. 17): auch hier Kellerbogen mit Treppe, “Kleinwinzerhaus”:
Wohnen und Wirtschaften unter einem Dach
8. Feuerwehr-Gerätehaus: Freiwillige Feuerwehr Retzstadt, gegründet 1892,
heute ca. 60 aktive Mitglieder, Ausrüstung: LF8 (Löschfahrzeug) mit THL (Spreizer
und Schere) zur technischen Hilfeleistung, ein TSF (Mehrzweckfahrzeug). Das
jetzige Feuerwehrhaus wurde errichtet 1979 - 1981.
9. Prozessionshäuschen “am Tannenbaum” mit Anbetung des Allerheiligsten
durch die Engel, noch heute so genannt, weil dort früher ein Tannenbaum stand,
heute: Kastanienbaum - dieser Platz wurde in der Dorferneuerung neu
gestaltet
10. Kindergarten, seit 1978 hier im vorderen Teil des Gebäudes, 3 Gruppen mit
ca. 60 Kindern
- Proberaum der Retzstadter Trachtenkapelle (Blasmusik, ca. 25 Mitglieder) -
Raum der Ortsgruppe des Bayerischen Roten Kreuzes ( Ausbildung, Erste Hilfe, ca.
50 Mitglieder)
11. Schule, hinterer Teil des Gebäudes, wieder eigenständige Grundschule mit 4
Klassen, wurde im Jahr 2001/2002 renoviert und erweitert, zusammen mit dem
(jetzigen) Kindergarten 1958 erbaut
Nach links, die Thüngersheimer Straße bergauf, kommt man nach ca. 1 km zum
12. Sportgelände der DJK: großer Sportverein, ca. 650 Mitglieder, Fußball,
Tischtennis, Kegeln, Volleyball, Tennis, Gymnastik, Fitness-Weg, Freizeitanlage
der “Heißen Socken” (Freizeitfußballer)
13. Hinweis auf Weg nach Thüngersheim: Über das “Breitfeld” - mit 387 m
ü.d.M. die höchste Erhebung des Maindreiecks, herrliche Fernsicht! - kann man
den kleinen Modell-Flugplatz erreichen oder zur Thüngersheimer Blockhütte
wandern, ein beliebtes Ausflugsziel mit einem schönen Grillplatz
Am “Tannenbaum” wenden wir uns nach rechts und kommen in die
Stegstraße
14. Ehemalige Tankstelle (links) - Schmiede: Treffpunkt auch heute noch!
15. Festplatz, im Augenblick mehr Abstell- und Parkplatz, in der Dorferneuerung
noch zur Gestaltung in den nächsten Jahren vorgesehen
Ortseingang
16. Kelter, im Rahmen der Dorferneuerung vom Weinbauverein (ca. 100 Mitglieder)
2001 errichtet, markiert den Beginn des Wanderweges “Wein und Natur”, der
retzabwärts bis zum Altenberg (Schutzhütte), dann über Scheckenberg,
Langenberg zurück ins Dorf führt, Einweihung am 9.6.2001, Weinlagenwanderung
alle 2 Jahre im Juni, auf vielen Stationstafeln wird Retzstadter Weinbau und
Natur erläutert

17. Bachlauf: , hier ehemals Teilung in Ober- und Unterbach zur Preisingsmühle,
heute Biergarten “Zur Alten Mühle” (200 m talwärts)
Noch zwei Blicke retzabwärts:
18. Mühlen - Retzlauf: Nach der Preisingsmühle gab es auf dem 5 km langen Lauf
der Retz noch weitere 7 Mühlen, besonders erwähnenswert das leider seit 1960
nicht mehr vorhandene riesige Mühlrad der Römisch-Mühle (eines der größten
Mühlräder Deutschlands!)
19. Kelterstation der GWF, rechts von der Straße nach Retzbach am Ortsende:
Hier wird Wein für ca. 1 Mio. BB pro Lese angeliefert! In der “Saison” im
Oktober stehen die Traktoren mit Hängern voll Trauben längs der
Langenbergstraße zur Ablieferung an: Retzstadt zur Weinlesezeit ist ein
Erlebnis!
20. Besinnungsweg: Retzbach - Retzstadt - Rundweg, der Impulse geben soll für
eine Besinnung auf die Werte des Daseins, Initiative von Eucharistiner-Pater
Fritz Schaub, weit bekannt und viel begangen
Wir überqueren an der Bushaltestelle die Straße und kommen zur
21.
Die Kreuzkapelle ist erbaut auf einer viel älteren, zwei Meter tiefer liegenden
Kapelle, die um 1250 errichtet wurde. 4 Hochwasser sind an Schlammschichten
nachzuweisen, nach dem zweiten Hochwasser wurde die Kapelle um 1400 aufgelassen
und zerfiel. Zwischen 1400 und 1470 wurde dann die Kapelle wie das sogenannte
„Dörflein“ durch einen Erdrutsch völlig zerstört. Der 1480 wieder neu
errichtete Bau (Wappen des damaligen Fürstbischofs Rudolf II. von Scherenberg
heute über dem Chorbogen) wurde wegen Baufälligkeit 1750 abgerissen und
1753 durch einen einfachen Bau mit eingezogenem Chor ersetzt. 1804
geschlossen, 1807 und 1830 wurden die Bitten der Retzstadter um Wiedereröffnung
abgelehnt, im Krieg Übergabe der Glocken (siehe: „Gefährliche List“), vermutlich
erst ab 1954 wurden hier wieder Gottesdienste gefeiert (bis 1963 monatlich ein
Gottesdienst), seither mehrfach
renoviert, zwei neue Glocken wurden wieder beschafft.
Drei
Besonderheiten zeichnen die Kapelle
aus:
-
Die Pfarrgemeinde Retzstadt feiert das Patrozinium (Kirchweih) nicht am Festtag
des Kirchenpatrons St. Andreas (letzter Sonntag des Kirchenjahres), sondern am
Fest der Kreuzerhöhung (Sonntag nach dem 14. September), dem Patronat der
Kreuzkapelle.
- An diesem Tag sowie an den Festtagen einiger Heiliger
(siehe Inschrift in der Kapelle) können Ablässe gewonnen werden.
- Das kleine Glockentürmchen ist gekrönt von einem
Papstkreuz. Der Grund konnte bisher nicht ermittelt werden.
22. Kapellennische mit Kreuzigungsgruppe, im Nischenbogen die Jahreszahl 1718,
Krieger-Denkmal für die Vermissten und Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges
Ein Blick die Kapellenstraße hinauf:
23. Schützenhaus - Schützenverein, gegr. 1959, 120 Mitglieder,
Luftgewehr-Schießen, überdachte Schießanlage (8 elektronische Zug-Stände 10
m), Weinfest am Schützenhaus meist 3. Sonntag im Juli (alle 2 Jahre)
24. Auf der Höhe des Langenbergs: alter Sportplatz - Schwarzkieferbestand -
Freizeitanlage der FFL (Fußball-Freunde Langenberg) - Weinwanderweg-Stationen,
besonders Rebsortenanpflanzung und “Naturkundliche Wand”
Wir gehen nun nach rechts ansteigend zum
Dörfleinsweg
25. Dörfleinsweg: Name kommt von einer der ersten Ansiedlungen in Retzstadt (um
800), mehrfach gab es hier Überschwemmungen und Erdrutsche, letztmals ein
großes Unwetter im Jahr 1992 - schöner Blick auf den Ort!
26. Fachwerkscheune Schmitt: 2. Hälfte 17. Jhdt. (daneben Bildstock, ehemals
mit Kreuzigungsgruppe)
27. Hildegard-von-Bingen-Gärtlein: im Rahmen der Dorferneuerung angepflanzter
Kräutergarten
Goldbrunnenstraße
Aus dem Dörfleinsweg kommend gehen wir ein paar Schritte nach rechts, die
Goldbrunnenstraße abwärts. Hier finden sich verschiedenste Haustypen
unterschiedlichen Alters und in vielfältiger Bauweise bzw. Modernisierung.
28. Bildstock Goldbrunnenstr. 13: Prozessionsaltar mit Kreuzigungsrelief,
Jahreszahl: 1777, seitlich St. Andreas und St. Urban

29. Anwesen Stark Goldbrunnenstr. 8: Satteldach, 17. Jhdt., Fachwerk unter Putz
30. Goldbrunnenstr. 5 (im Hof): 1690 erbaut, Satteldach (schön restauriert!)
Wir gehen wieder zurück, die Goldbrunnenstraße aufwärts
31. Backsteinhäuser Goldbrunnenstr. 11/14, 1907 erbaut, Krüppelwalmdach,
Fenstergewände Sandstein
32. Gemeinde-Waage: noch heute benutzt für Vieh und Getreide
33. Fachwerkhaus Iff Goldbrunnenstr. 39: Satteldach, Fachwerk 2. Hälfte 17.
Jhdt., Hoftor beschriftet mit der Jahreszahl 1709 (schön restauriert!)
34. Goldbrunnen, an neuer Stelle (alter Brunnen war verschüttet), 2000 im
Rahmen der Dorferneuerung wieder errichtet
35. “Schlüpfere”: Romantisches Eckchen ....
36. Fachwerkhaus Warmuth Goldbrunnenstr. 42 : Halbwalmdach, beschriftet 1611,
schönes Fachwerk-Eckhaus, ehemals “Krämerladen”
Hauptstraße
Ein Blick die Hauptstraße aufwärts:
37. Altes Gemeindehaus, Anwesen Fuß (rechte Straßenseite)
38. Nach 200 m links führt der Weg nach Thüngen bzw. durch die Beetenstraße
an der ehemaligen Jugendherberge vorbei zum Waldwanderweg
39. Am Buswendeplatz befindet sich die erste Station des “Wegs der Lieder”
Wir wenden uns nach rechts in die Hauptstraße: Viele Häuser stammen aus dem
19. Jhdt., meist modernisiert und verputzt.
40. Gasthaus “Zum Stern”: auch “Riegel” nach der ehemaligen
Besitzerfamilie genannt, fränkischer Gasthof mit Metzgerei, Saalbau,
Gästezimmern, nach vielerlei Pächtern (deutsch, ital., griech.) im Augenblick
leerstehend, im Kern 17. Jhdt (hintere Kellergewölbe), im Hof ehem.
Zehntscheune, Toreinfahrt mit Wappenstein und Inschrifttafel: 1612 (oder
1613?)
41. Anwesen Pfister: Altes Steinhaus, Hauptstr. 31
Dorfplatz, Wethstraße
42. Dorfplatz: früher war hier der Backofen, heute findet der Maibaum seinen
Platz neben dem neuen Brunnen, der symbolisch ein Stück freifließender Retz
darstellt
43. Alter Kindergarten, Wethstr. 2 : “Kulturhaus” der Pfarrgemeinde mit
Bücherei, Krabbelstube und Theater (Vorstellungen der Theatergruppe meist nach
Weihnachten)
44. Wethstr.4: Satteldach, um 1890
45. Wethstr. 6 (Denkmal!): Satteldach, Fachwerk 17. oder 18. Jhdt.
46. Hinter Wethstr. 21: 3 Kleinhäuser aus dem 19. Jhdt.
47. Kahlquelle: links in das Gässchen, nach ca. 20m gefasste Quelle,
wetterbedingt fließend
48. Kahlkreuz: hier führt ein Pfad steil bergauf zum Kahlkreuz, 1951 durch die
Kolpingsfamilie aufgestellt, am Riesen, traditioneller Platz für Maiandachten
und Johannisfeuer
49. Wethquelle (Wasserhäusle): Quellweiher der Weth, als Fischteich genutzt
50. Fachwerkhaus am Wethweiher
Ein Blick die Wethstraße hinaus:
51. Schüpfer-Haus: Es stand hier früher rechts hinter dem ortsbildprägenden
Nußbaum (heute im Fränk. Freiland-Museum Bad Windsheim)
52. Nach 500 m an der Weggabelung links Bildstock der 14 Nothelfer, Wanderweg
Steinbruch - Ochsengrund - Waldhaus Einsiedel - linker Hand die alten Lagen
Eichenloch und Schloss (siehe Geschichte Retzstadts: Herren von Recestad)
53. Nach 500m an der Weggabelung rechts bergan durch die “Grün” nach
Güntersleben, begleitet von den Tafeln des Planetenwegs, vorbei an den zwei
Winkraftanlagen, die im Jahr 2001 auf der Steinhöhe (382 m ü.d.m.M.) errichtet
wurden ( je 600 MW, 94 m Gesamthöhe, 70 m Nabenhöhe, Rotordurchmesser 44 m) )
- schöner Ausblick am Günterslebener Kreuz auf Spessart, Rhön und
Gramschatzer Wald
Wir gehen nun die Wethstraße wieder zurück und biegen nach Haus Nr. 22 nach
links ab:
54. Landwirtschaftliches Museum Paul May: Geräte, Maschinen, Utensilien aus
Haus und Hof, Werkstatt, Acker und Schule sind hier zu besichtigen,
auszuprobieren ..... Sogar eine kleine Kapelle
ist in den Hof einbezogen, und eine richtige Kirchenglocke lädt durch ihr
Geläut zum Besichtigen ein!
Wieder zurück in der Wethstraße, biegen wir in die nächste Gasse links ein:
Kirchgasse, Kirche
55. Kindergartenhof mit ehemaligem Jugendhaus, erbaut 1950: schöner,
abgeschlossener Hof mit fast “Shakespear`scher” Bühne, Platz auch heute
noch für Theater, Konzerte und Bierfeste
56. Galerie MSP Leibmann, Kirchgasse 10 : Kleine Galerie mit fränkischen
Motiven
57. Kreuzweg, links zum Kirchberg ansteigend (kleiner Pfad neben dem Friedhof),
erstellt von 1847 bis 1877, gestaltet vom Würzburger Bildhauer Ludwig Otto
Müller nach Vorlagen des Münchner Professors Dr. Knabel (außer: 12. Station,
Leichnam Jesu: Bildhauer Georg Müller, Heidingsfeld), die Stationshäuschen
erbaut vom Arnsteiner Steinmetz Feser
58. Friedhof
59. Ehrenmal für die Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71, erbaut vom
Veteranen- und Kriegerverein im Jahr 1910
60. Pfarrheim - ehemalige Schule, Rathausplatz 9 (Denkmal), um 1840 erbaut, im
Obergeschoss: Landjugendheim: mit 160 Mitgliedern ist die LJ Retzstadt die
größte Ortsgruppe der Diözese Würzburg und stellt viele Mitarbeiter in
höheren Gremien (Kreisrunde, Diözeseanverband ...)
61. Pfarrkirche St.
Andreas, Rathausplatz 7: Die erste Kirche Retzstadts stand
am Hönig oder Roth, davon sind keine Spuren mehr zu finden.
Vom zweiten Kirchenbau sind heute noch 2 Bauteile vorhanden. Der Kirchturm und
das “Romanische Portal” am Kirchenaufgang zeigen, dass dieses Gotteshaus
früher tiefer lag.Die jetzige barocke Pfarrkirche wurde von 1726-1730 erbaut,
im Inneren eine Barockausstattung auf Grundlage von Plänen Balthasar Neumanns:
Das Kreuz in der Mitte des Hochaltars - erbaut von Schreinermeister Uhl aus
Stetten - ist flankiert (von links nach rechts) von St. Michael, St. Petrus, St.
Paulus und St. Georg. An den Seitenwänden des Chores sind zwei spätgotische
Figuren angebracht (früher in der Kreuzkapelle): links St. Wolfgang mit
Bischofsstab und Kirche, rechts der Winzerpatron Urban mit Weintraube und
Papstkreuz. Das Gemälde an der linken Chorwand stellt die Kreuzerhöhung durch
die hl. Helena dar, über dem Chorbogen prangt das Wappen des Fürstbischofs
Friedrich Karl von Schönborn, der zur Zeit des Kirchenbaus regierte
(1729-1746).

Noch
eine Besonderheit: Die Monstranz stammt nach neuesten Forschungen aus der
Werkstatt des berühmten Augsburger Silberschmieds Caspar Xaver Stippeldey,
gefertigt im Jahr 1793.
Die Gemälde der Seitenaltäre, St. Sebastian und Mariä Verkündigung,
sowie die Deckenbilder im Chor, St. Andreas umgeben von den vier Evangelisten,
malte Sebastian Urlaub aus Thüngersheim.
Noch hingewiesen sei auf die
Rokokokanzel mit vier Evangelisten, eine Madonna mit Kind, eine Statue des hl.
Andreas an den Wänden des Kirchenschiffs, eine von J. Spruß geschnitzte
Holztafel zur Erinnerung an die Gemeindemission 1990 über dem Eingang zum
Glockenturm, eine ungewöhnlich große Empore und die zweimanualige Orgel aus
der Orgelbauwerkstatt Weiß (Zellingen).
An der Außenfront über dem Hauptportal befindet sich in einer Nische eine
Sandsteinfigur des hl. Andreas.
Kirchturm: vier- bzw. fünfgeschossig, romanische Bögen, 2. Hälfte des 12.
Jhdts., 4 Glocken, die größte und älteste aus dem Jahr 1408 (oder 1708?) mit
der Aufschrift “fleuch hagel und wind.das.helf.uns.maria.und.ihr.libes.kint”.
Die Bonifatius- und Andreas-Glocken stammen aus dem Jahr 1924, die
Theresia-Glocke aus dem Jahr 1936. Die Töne: E Gis H cis ergeben das Motiv “Salve
Regina” Zwei besondere “Läutesitten” gibt es in Retzstadt :- “Ausläuten”:
Nach dem Gottesdienst wird der Name des Verstorbenen verkündet, während der 3
Vater Unser läuten dann die Glocken in folgender Reihe: - für einen in
Retzstadt Verstorbenen: 2. Glocke, gesamtes Geläut, - für einen Retzstadter,
auswärts verstorben: 2. Glocke - gesamtes Geläut - nochmals 2. Glocke-
doppelter Stundenschlag (s. Gedicht), damit die Bauern auf den weit entlegenen
Feldern die Uhrzeit durch ein zweites Mitzählen zuverlässig bestimmen konnten.
62. Am Treppenaufgang zur Kirche:
- Kreuzschlepper, 1731
- Romanisches Portal: Ehemaliger Eingang zur zweiten Kirche, verziert mit
Palmettenornamenten und phantastischen Tierfiguren, die zur Abwehr der bösen
Geister dienen sollten.
Hier ist unser “Kleiner Dorfrundgang” zu Ende. Was jetzt noch fehlt,
um Retzstadt richtig zu kennen?
Natürlich ein (oder mehr?) Schoppen vom “Retzstadter Langenberg”!
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